Gestalter und ihre Werke: Karl Otto Götz

„Nirak“, 1980, 175 x 500 cm, dreiteilig, Mischtechnik auf Leinwand – Foto: Google


03. Dezember 2017 – Vorwort:

Auf K. O. Götz wurde ich leider erst  jetzt nach seinem Ableben aufmerksam und bin umso mehr von seinen wegweisenden Werken beeindruckt, deren Grundrichtung als  „informelle künstlerische Konzeption“ bezeichnet wird.           (WG)


18. November 2017:

Zum Konzept einer derzeitigen Ausstellung über das Schaffen von Friederich Werthmann in Witten/Ruhr gehören auch Werke von Zeitgenossen und Künstlerkollegen . … geprägt von gegenseitiger Achtung und Wertschätzung. Die gezeigten Arbeiten von Gerhard Hoehme, Peter Brüning, Karl Otto Götz, Winfred Gaul und Otto Piene zeugen neben der persönlichen gleichwohl von einer künstlerischen Nähe.


13. Dezember 2013

K.O. Götz – Lebenswerk eines Jahrhundert-Malers

K.O. Götz  wird im nächsten Februar 100 Jahre alt und lebt heute zurückgezogen im Westerwald. Der grosse Hype der Kunstwelt und des Kunstmarktes war nie seine Welt.

Fotos: Google

Seinem Lebenswerk eine Retrospektive zu widmen, war schon lange einer der Wünsche der Berliner Nationalgalerie. Die Ausstellung konnte mit Hilfe der Volkswagen AG realisiert werden.
Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie: Unsere neue Partnerschaft mit Volkswagen ermöglicht es uns, solche Wünsche zu erfüllen …

In der jüngeren Generation von Malern erlebt das Abstrakte in der Kunst eine Art Wiedergeburt. Dabei ist das Werk von K.O. Götz  jung und absolut aktuell, ein fast 100-jähriger Künstler, der seiner Zeit immer weit voraus war – kann es überhaupt einen besseren Beweis für seine Qualitäten geben? Die grosse Retrospektive – endlich! – wird bis zum 2. März 2014 in der Neuen Nationalgalerie zu sehen sein.


23. August 2017:

mehr …: aus wikipedia/Karl_Otto_Götz (verkürzt)

Karl Otto Götz (* 22. Februar1914 in Aachen; † 19. August2017 in Wolfenacker[1]), bekannt als K. O. Götz, war ein deutscher Maler und Lyriker. Er war ein Hauptvertreter der abstrakten Kunst und des Informel in Deutschland.

Biographie

1914–1945: Aachen, Dresden und Norwegen

K. O. Götz, 27. Mai 1954

K. O. Götz, Bagatelle II, 1962

 

 

 

Karl Otto Götz wurde 1914 in Aachen geboren, wo er ab 1932 gegen den Willen des Vaters – er sollte Textilingenieur werden – die Kunstgewerbeschule Aachen besuchte. Dort setzte er sich mit avantgardistischer Malerei auseinander. 1933 entstanden seine ersten abstrakten Arbeiten. Als abstrakter Maler erhielt er von den Nationalsozialisten ab 1935 Mal- und Ausstellungsverbot, malte allerdings heimlich weiter. 1936 entstand ein erster Briefwechsel mit Herbert Read in England, der erst nach 1945 weiter fortgesetzt wurde. Auch im Jahr 1936 absolvierte er seinen Militärdienst bei der Luftwaffe in Gütersloh, Nordhausen im Harz und schließlich ab 1940 in Dresden, wo er auf einer Offiziersschule zum Nachrichtenoffizier ausgebildet wurde. Seine damalige Lebensgefährtin Anneliese Hager, die mit dem Textilchemiker Rudolf Brauckmeyer verheiratet gewesen war, lebte mit ihren Kindern seit 1940 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Dresden. Von 1941 bis Kriegsende 1945 war Götz als Nachrichtenoffizier nach Norwegen verpflichtet. Zuvor hatte er in Dresden über den Galeristen Heinrich Kühl die für ihn prägenden Bekanntschaften mit Edmund Kesting, Otto Dix, Wilhelm Lachnit und Will Grohmann gemacht.[2] Bevor er in Norwegen stationiert war, wo er bereits mit einem Oszilloskop experimentierte, studierte Götz noch ein Semester an der Akademie der Bildenden Künste in Dresden. …

1945–1959: Königsförde, Paris und Frankfurt

K. O. Götz: Riemu, 1968

 

 

 

 

 

Nach dem Krieg lebte Götz mit seiner Familie bis 1950 in Königsförde bei Hannover. In dieser Zeit lernte er unter anderem den Bauhäusler/Fotografen Umbo und die Maler Emil Schumacher, Heinz Trökes und Hann Trier kennen. 1947 hatte Major Gear, ein englischer Besatzungs- und Kulturschutzoffizier und Freund von Götz, durch seine Freundin in Paris ermöglicht, dass bereits 1947 abstrakte Arbeiten von Götz in einer Pariser Galerie zu sehen waren. …

1949 lernte er in Hannover den abstrakten Maler Carl Buchheister kennen, mit dem ihn bis zu Buchheisters Tod eine enge Freundschaft verband. Ab 1950 zog Götz von Königsförde nach Frankfurt am Main, hielt sich aber regelmäßig bis Ende der 1960er Jahre in Paris auf. Frankfurt wurde durch die gemeinsame Arbeit von Götz mit Bernard Schultze, Otto Greis und Heinz Kreutz zu einem der ersten und wichtigsten Zentren der informellen Nachkriegsmalerei. In einer Pariser Ausstellung lernte Götz 1951 erstmals Arbeiten von Künstlern wie Jackson Pollock, Willem de Kooning, Jean-Paul Riopelle, Wols und Hans Hartung kennen.

Das Jahr 1952 wurde zum Wendepunkt in Götz’ malerischer Konzeption; durch Zufall entdeckte Götz beim Anrühren von Kleister und Farbe für seinen Sohn Alexander eine Maltechnik, die er fortan für seine informelle künstlerische Konzeption benutzen konnte: Er trug mit unterschiedlich großen Pinseln auf die mit Kleister versehenen Leinwände Farbe auf, um sie dann blitzschnell durch eine Gummirakel wieder wegschleudern oder -rakeln zu können. …

1953 trat Götz mit Hans Arp in Kontakt und veröffentlichte im selben Jahr den Gedichtband Behaarte Herzen, Könige vor der Sintflut, der bis dahin alte unveröffentlichte und neue Gedichte von Arp umfasste. Mit seinen neuen Arbeiten hatte Götz wachsenden Erfolg und nun auch viele Ausstellungen in Deutschland und Frankreich, aber auch in Italien, Japan und den USA. … Seine gestiegene Reputation drückte sich auch in der Teilnahme an den großen Übersichtsausstellungen über moderne Malerei aus; so nahm er 1958 und 1968 an der Biennale in Venedig und 1959 an der documenta II in Kassel teil.

1959–1975: Düsseldorf

Die Kunstakademie in Düsseldorf, an der Karl Otto Götz von 1959 bis 1979 als Professor lehrte

 

 

 

 

1959 zog Götz nach Düsseldorf, da er zum Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie ernannt wurde; er lehrte dort zwanzig Jahre bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1979 Freie Malerei. Er gilt heute als der bedeutendste und erfolgreichste deutsche Kunstprofessor nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein Großteil der ersten Generation der prägenden deutschen Nachkriegskünstler waren Schüler von Götz, so etwa Kuno Gonschior, Gotthard Graubner, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Rissa, HA Schult und Franz Erhard Walther. Diesen folgten noch drei weitere Künstler einer späteren Generation: Horst Gläsker, Friedemann Hahn und Paul Schwietzke, wobei alle Künstler im Laufe der Zeit erfolgreich sehr unterschiedliche künstlerische Positionen vertraten. Seine ehemalige Schülerin Rissa heiratete er 1965.

Götz bemühte sich 1961 zusammen mit anderen progressiven Professoren der Akademie erfolgreich um eine Professur für den damals noch relativ unbekannten Joseph Beuys in Düsseldorf. …

Er setzte sich wie kein zweiter Maler in der Welt mit der psychologischen Wirkung von Farben und Formen auf die Betrachter von zweidimensionalen Bildvorlagen auseinander. Die Ergebnisse dieser Arbeit, die auch zu einem bis heute verwendeten visuellen Test (Visual-Aesthetic-Sensitivity-Test, kurz VAST) führten, veröffentlichten Götz und Rissa 1972 in ihrem wegweisenden Buch Probleme der Bildästhetik – eine Einführung in die Grundlagen des anschaulichen Denkens. …

Seit 1975: Niederbreitbach-Wolfenacker

Gemeinsam mit Rissa zog Götz 1975 nach Niederbreitbach-Wolfenacker in den Westerwald, wo Götz 2017 in ihrem Atelierhaus auch starb. … 1997 gründete Götz gemeinsam mit seiner Frau Rissa die K.O.Götz und Rissa-Stiftung, die das künstlerische Erbe des Malerehepaares betreuen und bewahren und zudem junge Künstler fördern soll. … Trotz eines schweren Augenleidens, das ihn ab 2004 nahezu erblinden ließ, malte Götz bis in die frühen 2010er Jahre. Götz starb im August 2017 im Alter von 103 Jahren.

Werk – Das Frühwerk bis 1952

Götz’ erste Werke aus den frühen 1930er-Jahren waren vom Expressionismus und dem Surrealismus geprägt, wobei besonders die Arbeiten von Max Ernst, Juan Gris, Wassily Kandinsky, Paul Klee und für kurze Zeit Willi Baumeister Einfluss auf ihn ausübten. Es entstanden vor allem kleinformatige Holzschnitte und so genannte Spritzbilder, die zwar teilweise noch figürliche Elemente aufweisen, ihrer Struktur nach jedoch bereits informelle Strukturen vorwegnehmen. Da seine Dresdner Wohnung 1945 ausgebombt wurde, sind viele Werke des Frühwerks verloren gegangen.

Bereits während des Kriegs hatte Götz an seiner Fakturenfibel gearbeitet, die amorphe Formprinzipien zusammenfasste und aus der er Teile immer wieder in seine Malerei mit einbezog. Bis in die frühen 1950er-Jahre versuchte sich Götz in verschiedenen künstlerischen Medien, so fertigte er Luftpumpenbilder, Fotogramme, Holzschnitte, aber auch konstruktiv-abstrakte Ölbilder an. In den 1950er-Jahren lösen sich die Formen und Figuren zusehends auf; 1952 entstanden die letzten Ölbilder und die ersten rein informellen Mischtechnik-Bilder. Die letzten abstrakt-informellen „Ölbilder“ hängen heute im Saarlandmuseum Saarbrücken.

Götz als Hauptvertreter des Informel

K. O. Götz: Giverny-Ex, 1993

K. O. Götz: Giverny-Ex IV, 1993

 

 

 

 

Beim Anrühren von Tapetenkleister für seinen Sohn Axel entdeckte Götz durch Zufall den Nutzen von Kleister und Farbe für seine informelle künstlerische Konzeption, die sich mit Pinsel und Rakel durch den Kleister unter der Wasserfarbe viel schneller herstellen lässt, als das die zähe Ölfarbe ermöglicht. Somit war diese Kombination von Farbe auf der mit Kleister versehenen Leinwand ideal für sein Ziel, die Farbe gestisch, in hoher Geschwindigkeit auf die Leinwand aufzutragen, um durch schnelle Verrakelung informelle Strukturen erzeugen zu können, die ohne den schnellen Malvorgang niemals das Licht der Welt erblickt hätten. Seit dieser Entdeckung entstanden seine berühmten, unverkennbaren Gemälde und Gouachen mit gerakelter Farbe, die ihn zu einem der international wichtigsten Vertreter des Informel und des Action Painting werden ließen. Es entstanden Werke mit der von Pollock begründeten All-over-Structure, aber auch Arbeiten, in denen die informellen Formelemente, zentriert oder diagonal, „energiegeladene“ Zentren bilden. Letzteres entwickelte Götz in den späten 1950er- und den 1960er-Jahren weiter zu den so genannten Schematas, die sehr variabel angelegt, nun für eine lange Zeit (bis 1999) die informellen positiv-negativ-Muster auf seinen Leinwänden darstellen.

Ab 1960 arbeitete Götz an einem Rasterfilm, der einer der ersten experimentellen abstrakten Filme werden sollte und großen Einfluss auf spätere Künstler der Neuen Medien haben sollte, so etwa Paik. Götz hatte sich bereits vor dem Krieg für abstrakte Filme interessiert, doch erst jetzt arbeitete er kontinuierlich an diesem Vorhaben. Gemeinsam mit seiner späteren Frau Rissa, die damals noch seine Schülerin an der Düsseldorfer Kunstakademie war, malte Götz Rasterbilder, die er später zum 1961 erschienenen Film Density 10: 3: 2: 1 zusammenfügte. Dieser Film sollte die allmähliche, informelle Bewegung von Bildteilen demonstrieren. Nach diesem Film beschäftigte sich Götz jedoch nicht mehr mit solchen Projekten. …

1958 entstand auch sein erstes Triptychon: Das linke Bild mit dem Titel Jupiter, der Mittelteil U.D.Z. (Abkürzung für Unter diesem Zeichen) und das rechte mit dem Titel Matador. Im Mittelteil des Triptychons ist eine informell gemalte schwarz-rote Kreuzform dargestellt, die an das christliche Kreuzsymbol erinnert. Die beiden Seitenbilder zeigen links zentrierte schwarze Pinselzüge auf hellem Grund und rechts besteht es aus den Farben Rot, Blau und einem Mischton aus beiden Farbtönen, bräunlich auf hellem Grund. Die Titel dieser Seitenteile verweisen auf die Namen von US-Atomraketen, die damals in der Bundesrepublik stationiert worden waren. Damit war Götz’ erstes Gemälde entstanden, das zu einem aktuellen oder historischen Ereignis Bezug nimmt. Später folgte dann ab 2004 in seinem Spätwerk noch eine ganze Serie von Gemälden zum Zeitgeschehen. Sven Beckstette hat 2002 in einem Essay in präzisen Worten das Triptychon und dessen Wirkung beschrieben.

In den 1970er-Jahren entstanden einige Arbeiten, die ohne Rakel und nur mit dem Pinsel gemalt wurden und dadurch eine völlig andere Struktur erhielten. Zu gleicher Zeit entstanden weitere Bilder, deren Titel direkt auf ein aktuelles Ereignis des Zeitgeschehens verweisen, ohne jedoch motivisch das Thema direkt aufzunehmen, so etwa Moga I von 1977, das auf den RAF-Terror in Mogadischu anspielt. In den 1980er-Jahren entstand über mehrere Jahre die berühmte Serie Giverny, bei der Götz erstmals die Farbe Schwarz wegließ. Die so entstandenen starkfarbigen Gemälde erinnerten ihn in ihrer Farbkraft optisch an Claude Monets Garten in Giverny, so dass er, obwohl er nie die Gärten besucht hat, der Farbkraft der Blumengärten in seiner Vorstellung mit seinen Giverny-Gemälden ein Denkmal gesetzt hat. Anlässlich der Deutschen Wiedervereinigung entstanden 1990/1991 drei informelle Historiengemälde mit den Titeln Jonction I–III (übersetzt: Wiederanknüpfung).

Das Spätwerk: Experimente mit Ton, Stahl, Holz und Luminografien

K. O. Götz: Lezuk III, 2012

 

 

 

 

 

Ab 1999 schuf Götz, vermittelt durch den Kunsthändler Edgar Quadt, in der Keramik-Werkstatt von Niels Dietrich in Köln ein keramisches Werk von beeindruckender Qualität, das in den Folgejahren in verschiedenen Ausstellungen große Beachtung fand.

Ab 2000 – hier kann man vom Beginn des Spätwerkes von Götz sprechen – entwickelte Götz, vermittelt durch Joachim Lissmann, den Geschäftsführer der K.O. Götz- und Rissa-Stiftung, in Zusammenarbeit mit der KunstschmiedeHermann Josef Colle GmbH im Saarland eine Serie von 40 Stahlreliefs. …

Ebenfalls 2003 schuf Götz in Zusammenarbeit mit Adam C. Oellers, der als Kunsthistoriker am Aachener Suermondt-Ludwig-Museum eine Retrospektive zum 90. Geburtstag kuratierte, eine Serie von informellen Lichtmalereien, so genannten Luminografien. Für diese Arbeiten nutzte Götz statt eines Pinsels eine Taschenlampe und bewegte diese wie für eine Zeichnung zu informellen Figuren, die von einer Fotokamera mit besonders langer Belichtungszeit als Licht-Lithografien eingefangen wurden.

Zum 60. Gedenktag der Bombenangriffe auf Dresden im Jahr 2005 entstanden wieder zwei informelle Historiengemälde mit den Titeln Dresden Iund Dresden II. Im selben Jahr schuf er zwei Gemälde, die auf die Tsunami-Flutkatastrophe im Pazifik im Dezember 2004 Bezug nehmen, und im Jahr 2008 zwei monumentale Gemälde mit den Titeln Menetekel I und Menetekel II, die durch Titelgebung und jeweils zwei die Türme des World Trade Centers assoziierende schwarze Balken auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York Bezug nehmen. Mit diesen Werken setzte Götz seine lose Serie von Werken fort, die sich trotz informell-abstrakter Malweise mit historischen Ereignissen bzw. Ereignissen des Zeitgeschehens beschäftigen.

Schüler (Auswahl) …

Karl Otto Götz unterrichtete während seiner zwanzigjährigen Tätigkeit an der Kunstakademie Düsseldorf zwischen 1959 und 1979 als einfache Studenten oder Meisterschüler viele heute bedeutende Künstler, die sich durch unterschiedliche künstlerische Konzeptionen einen Namen machten. …

Auszeichnungen …

Ausstellungen …


Blogbalken
Autor: Wolfgang Gärtner (WG) – Stand: 12.2017

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