Gestalter und ihre Werke: Dieter Rams

Bild: Vitsoe – Systemmöbel 620

Vorwort:

Einige Plätze weiter von mir in der Grundschulklasse im kleinen Harzdorf Lerbach hat auch Werner Oppermann die ersten Schuljahre verbracht. Das ist ansich nicht weiter erwähnenswert, aber für mich doch ein Beispiel für Entwicklungen, die man vorher nicht  vorhersehen konnte. Was war geschehen? Viele Jahre später stellte sich heraus, dass mein Mitschüler später nicht nur bei Braun tätig war, sondern ein enger Mitarbeiter von Dieter Rams im Designbereich. – Und das aktiviert mich, noch mehr Zusammenhänge zu recherchieren.   (WG)

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01. Juni 2017:
Dieter Rams hat im Mai 2017 seinen 85. Geburtstag mit einem Besuch bei Vitsoe verbunden, einem Hersteller seiner zeitlosen Design-Entwürfe.

04. April 2017:

„Es mag überraschend sein, dass ich mich als Designer des 20. Jahrhunderts, als Designer von technischen Produkten auch auf Gestaltungskulturen wie die traditionelle japanische Architektur beziehe, ihre Leistungen voller Respekt und Anerkennung sehe. Tatsächlich wäre es aber viel erstaunlicher, wenn in der langen Geschichte der Gestaltung nichts entstanden wäre, das meine Bewunderung findet, von dem ich mich anregen ließe, das mich in meiner Haltung bestärkte. …“

Foto: Ingeborg Kracht-Rams

Der einzigartige „Doppelbungalow“ ist Teil der Siedlung Roter Hang, die ursprünglich als Werkswohnungen für Braun-Mitarbeiter in der Nähe des Firmensitzes in Kronberg konzipiert wurde. Rams erwarb ein kleines Stück Land innerhalb des Geländes und verwirklichte gemeinsam mit Architekt Rudolf Kramer aus dem nahegelegenen Königstein sein einziges vollumfänglich realisiertes Bauprojekt.

08. März 2017

Dieter Rams. Modular World

18.11.2016 – 12.03.2017 in Weil am Rhein

Schaudepot

Dieter Rams (*1932) ist einer der einflussreichsten deutschen Designer der letzten Jahrzehnte. Seine Entwürfe für die Firma Braun sind legendär, seine Thesen über Design heute aktueller denn je. Vom 18. November 2016 bis 12. März 2017 präsentiert das Vitra Design Museum im neu eröffneten Vitra Schaudepot eine Ausstellung über Rams‘ Werk. »Dieter Rams. Modular World« zeigt eine Auswahl der von Rams entworfenen Möbel und Elektrogeräte, darunter Schlüsselwerke wie der Schneewittchensarg und das Regalsystem 606. Ergänzt wird die Schau durch historisches Bildmaterial und ein Video-Interview, in dem Rams seine Gestaltungsphilosophie erläutert.

»Dieter Rams. Modular World« ist die erste Ausstellung, die vor allem Rams‘ Möbelentwürfe in den Blick nimmt. Dabei wird deutlich, wie eng diese Entwürfe mit seiner Gestaltungsphilosophie verbunden sind. Deren Essenz – Einfachheit, Ehrlichkeit, Zeitlosigkeit – fasste er in seinen »Zehn Thesen zum Design« zusammen, die er ab den 1970er Jahren entwickelte. Darin schrieb er unter anderem: »Gutes Design ist langlebig. Es hat nichts Modisches, das schnell veraltet wirkt. Damit unterscheiden sich gut gestaltete Produkte tiefgreifend von kurzlebigen Trivial-Produkten einer Wegwerfgesellschaft, für die es heute keine Berechtigung mehr gibt«. Ausgangspunkt dieser Überlegungen war also eine grundsätzliche Konsumkritik, die Rams veranlasste, neue Ziele für den Umgang mit Design zu formulieren – und dies lange bevor Nachhaltigkeit zum Modewort wurde.

Rams‘ Thesen können auch zum Verständnis seiner vielfältigen gestalterischen Arbeit herangezogen werden. Von 1955 bis 1997 war er für das Produktdesign der Firma Braun verantwortlich. Hier entstanden die legendären Elektrogeräte, die in den letzten Jahren immer wieder als Anregung für das Design der Apple-Produkte angeführt wurden. Weniger bekannt ist, dass Rams bereits ab 1957 auch Möbel entwickelte. Dabei arbeitete er vor allem mit der Firma Vitsoe zusammen, die seine Entwürfe bis heute herstellt. Wie wichtig ihm seine Möbel waren, erläuterte Rams so: »Vielleicht noch unmittelbarer als die Braun Geräte sind die Möbel entstanden aus einer Vorstellung davon, wie die Welt ›eingerichtet‹ sein und wie Menschen in dieser artifiziellen Umwelt leben sollten. Jedes Möbelstück ist in diesem Sinne auch ein Welt- und Lebensentwurf.«

Rams‘ Entwürfe sind gekennzeichnet durch Reduktion und Schlichtheit, gemäß seiner Maxime »Gutes Design ist so wenig Design wie möglich«. Dabei geht es ihm weniger um Askese, sondern um ästhetische Nachhaltigkeit. Seine Regale, Stühle, Sessel und Tische sind so funktional und neutral gestaltet, dass sie variabel einsetzbar sind – ob in Wohnzimmer, Küche, Büro oder öffentlichen Räumen – und auch Jahrzehnte später nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Zugleich sind viele der Möbel als modulare Systeme konzipiert, die sich mit dem Leben der Benutzer verändern können. Beispielsweise wird das berühmte Regalsystem 606 seit 1960 kontinuierlich hergestellt, und es ist möglich, Module aus der heutigen Produktion mit einem Regal aus den 1960ern zu kombinieren. Der Sessel 620 wiederum kann als Ein-, Zwei- oder Dreisitzer mit unterschiedlichen Seiten- und Rückenlehnen ausgestattet werden. Und das System 740, einer von Rams‘ am wenigsten bekannten Entwürfen, basiert auf runden, stapelbaren Elementen, die von japanischen Sitzmatten inspiriert sind – eine noch heute bestechend klare Entwurfsidee.

Mit ihrer Zeitlosigkeit sind Rams‘ Entwürfe Musterbeispiele für nachhaltiges Gestalten und beeinflussen Designer bis heute.

Mittwochsmatinee (DE) | 25. Januar 2017 |10 Uhr
Die Kuratorin Heng Zhi führt durch die Ausstellung.
10,00 € pro Person

Mark Adams | Talk (EN) | 9. März 2017 | 18.30 Uhr

In den 1960er Jahren entwickelte Dieter Rams seine legendären Möbelentwürfe für die Firma Vitsoe, die diese seitdem kontinuierlich herstellt. Seit 1986 leitet Mark Adams das Unternehmen und trägt das Credo des Gründers Niels Vitsoe von funktionalem, langlebigem und hochwertigem Design weiter. In seinem Vortrag thematisiert Adams seine Zusammenarbeit mit Dieter Rams und die Designphilosophie der Zeitlosigkeit und Langlebigkeit, die sie beide vertreten.

Eintritt frei
Phono-Radiokombination SK55, Foto: Andreas Sütterlin
Tischsuper RT 20, Foto: Andreas Sütterlin

… aus Wikipedia, verkürzt:

Dieter Rams (* 20. Mai 1932 in Wiesbaden) ist ein deutscher Industriedesigner der Moderne. Ziel seiner Entwürfe ist die Klarheit der Form, Materialgerechtigkeit und einfache Bedienbarkeit. Er steht gestalterisch der Hochschule für Gestaltung Ulm nahe.

Leben und Wirken

Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte Rams bis 1953 Architektur und Innenarchitektur an der Werkkunstschule Wiesbaden, unterbrochen von einer Ausbildung zum Tischler. Von 1953 bis 1955 arbeitete Rams unter anderem im Architekturbüro von Otto Apel. Seit 1955 war Rams für den Elektrogeräte-Hersteller Braun tätig, zuerst als Architekt und Innenarchitekt, von 1961 bis 1995 als Leiter der Formgebung.

Einer der ersten Entwürfe für Braun war 1956, gemeinsam mit Hans Gugelot, die Radio-Plattenspieler-Kombination SK 4 („Schneewittchensarg“). Das radikal reduzierte Design aus weiß lackiertem Blechkorpus mit einer Abdeckhaube aus Acrylglas und Wangen aus hellem Holz wurde zum Klassiker und Vorbild. Rams und sein Designteam um unter anderem Gerd Alfred MüllerDietrich Lubs und Florian Seiffert prägte in den Folgejahren bis in die 1980er Jahre das typische, klare Erscheinungsbild der Produkte des Braun-Konzerns. Viele der entstandenen Produkte gelten mittlerweile als Designklassiker wie der Weltempfänger T 1000, der elektrostatische Lautsprecher LE1, die Hi-Fi-Komponenten Regie und Atelier, die Taschen- bzw. Tischfeuerzeuge Linear und cylindric oder der Taschenrechner ET 66, den er zusammen mit Dietrich Lubs entwarf. Zusammen mit Jürgen Greubel entwarf er 1972 die Zitruspresse MPZ 21.[1]

Rams arbeitete auch als Möbeldesigner, ab 1957 für die Firma Otto Zapf, die kurz darauf erst in Vitsoe + Zapf umbenannt wurde. Seit 1969 heißt die Firma einfach Vitsoe. Verschiedene mehrfach ausgezeichnete Möbelsysteme wurden von ihm entworfen. Zu den bekanntesten gehören das Regalsystem 606 (1960) und das Sesselprogramm 620 (1962). Neuere Entwürfe sind das Garderobenprogramm 030 (2003) und das Satztischprogramm 010 (2001). Im Jahr 1964 wurden Arbeiten von ihm auf der documenta III in Kassel in der Abteilung Industrial Design gezeigt. Ende der 1960er Jahre wirkte Rams an der Vorplanung zur modernen Bungalowsiedlung am Roten Hang[3] in Kronberg/Taunus mit. Das Projekt wurde schließlich um 1970 vom Königsteiner Architekten Rudolf Kramer und dem Frankfurter Bauträger Polensky und Zöller umgesetzt.

Von 1981 bis zur Emeritierung im Jahr 1997 lehrte Dieter Rams als Professor für Industriedesign an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Von 1987 bis 1997 war er Präsident des Rates für Formgebung. Seit 2003 ist Rams Berater der Design-Zeitschrift Form. Heute finden sich zum Beispiel in den Produkten von Apple Zitate seiner Designformen.[4][5]

Rams hatte international zahlreiche Ausstellungen und wurde weltweit geehrt. 1991 verlieh ihm das Royal College of Art in London die Ehrendoktorwürde. Mehrere von ihm entworfene Geräte und Möbel gehören zum Bestand des Museum of Modern Art in New York. Dieter Rams ist TUM Distinguished Affiliated Professor an der Fakultät für Architektur der Technischen Universität München.[6]

Zum achtzigsten Geburtstag (2012 Red.) wünschte sich Dieter Rams eine Dauerleihgabe wesentlicher Design-Objekte aus der Braun Collection des Herstellers an das Frankfurter Museum für Angewandte Kunst. 243 Exponate, darunter „sämtliche erhaltenen Modelle aus der Rams-Ära“, sollen die Basis für die geplante neue Dauerausstellung des Museums werden.[7]

Zu Apple sagt Rams: „Die Firmen, die Design wirklich ernst nehmen, können Sie an zehn Fingern abzählen. Apple gehört dazu.“[8] Es ist belegt, dass Steve Jobs die Entwürfe von Dieter Rams besonders schätzte.[9] Jonathan Ive, Chief Design Officer bei Apple, wurde bei seinen Entwürfen für Apple maßgeblich durch Arbeiten und Prinzipien Rams beeinflusst.[10]


10 Thesen 2002 – Dieter Rams über gutes Produktdesign

Bereits ab Mitte der 1970er Jahre begann Rams seine Ideen zum Design in Regeln zu verdichten, die er im Laufe der Jahre weiterentwickelte und zu Thesen ausformulierte. Rams begreift die Thesen seiner Biografin Lovell zufolge als „nützlich zur Orientierung und zum Verständnis“. Zugleich sagt Rams, „gutes Design befinde sich in ständiger Weiterentwicklung – genau wie Technologie und Kultur.

Gutes Design ist innovativ

Die Möglichkeiten für Innovation sind noch längst nicht ausgeschöpft. Die technologische Entwick- lung bietet immer wieder neue Ausgangspunkte für innovative Gestaltungskonzepte, die den Gebrauchswert eines Produktes optimieren. Innovatives Design entsteht aber stets im Zusam- menhang mit innovativer Technik und ist niemals Selbstzweck.

Gutes Design macht ein Produkt brauchbar

Man kauft ein Produkt, um es zu benutzen. Es soll bestimmte Funktionen erfüllen – Primärfunktionen ebenso wie ergänzende psychologische und ästhetische Funktionen. Gutes Design optimiert die Brauchbarkeit und lässt alles unberücksichtigt, was nicht diesem Ziel dient oder gar entgegensteht.

Gutes Design ist ästhetisch

Die ästhetische Qualität eines Produktes ist integraler Aspekt seiner Brauchbarkeit. Denn Geräte, die man täglich benutzt, prägen das persön- liche Umfeld und beeinflussen das Wohlbefinden. Schön sein kann aber nur, was gut gemacht ist.

Gutes Design macht ein Produkt verständlich

Es verdeutlicht auf einleuchtende Weise die Struk- tur des Produkts. Mehr noch: es kann das Produkt zum Sprechen bringen. Im besten Fall erklärt es sich dann selbst.

Gutes Design ist ehrlich

Es lässt ein Produkt nicht innovativer, leistungs- fähiger, wertvoller erscheinen, als es in Wirklichkeit ist. Es versucht nicht, den Verbraucher durch Versprechen zu manipulieren, die es dann nicht halten kann.

Gutes Design ist unaufdringlich

Produkte, die einen Zweck erfüllen, haben Werk- zeugcharakter. Sie sind weder dekorative Objekte noch Kunstwerke. Ihr Design sollte deshalb neutral sein, die Geräte zurücktreten lassen und dem Menschen Raum zur Selbstverwirklichung geben.

Gutes Design ist langlebig

Es vermeidet modisch zu sein und wirkt deshalb nie antiquiert. Im deutlichen Gegensatz zu kurz- lebigem Mode-Design überdauert es auch in der heutigen Wegwerfgesellschaft lange Jahre.

Gutes Design ist konsequent bis ins letzte Detail

Nichts darf der Willkür oder dem Zufall überlassen werden. Gründlichkeit und Genauigkeit der Gestaltung sind letztlich Ausdruck des Respekts dem Verbraucher gegenüber.

Gutes Design ist umweltfreundlich

Das Design leistet einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Umwelt. Es bezieht die Schonung der Ressourcen ebenso wie die Minimierung von physischer und visueller Verschmutzung in die Produktgestaltung ein.

Gutes Design ist sowenig Design wie möglich

Weniger Design ist mehr, konzentriert es sich doch auf das Wesentliche, statt die Produkte mit Überflüssigem zu befrachten. Zurück zum Puren, zum Einfachen!

Aus designwissen.net, FASSUNG OKTOBER 1995, GERING VERÄNDERT UND ERWEITERT 2002


 Auszeichnungen


Autor: Wolfgang Gärtner  (WG) – Stand: 04.2017

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